Was ist das Virtuelle Migrationsmuseum?

Notwendigkeit und Chancen

Zwei Dinge werden im Folgenden erläutert. Zuerst, wie das Virtuelle Migrationsmuseum aussehen soll und zweitens, worin die Vorteile des Internets in diesem Zusammenhang liegen.

Aber zunächst: Warum brauchen wir ein solches Museum überhaupt?

Es liegt auf der Hand, dass wir ein Migrationsmuseum brauchen: Migration prägt unseren Alltag. Jedes zweite Kind in deutschen Großstädten wird heute mit „Migrationshintergrund“ geboren. Die deutsche Gesellschaft ist längst eine Einwanderungsgesellschaft. In dieser Vielfalt liegen Chancen und Herausforderungen. Ein Museum, das diese gesellschaftliche Realität aufzeigt und erklärt, stärkt den Zusammenhalt und das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft.
Das innovative Potential findet sich dabei auf zwei Ebenen: Zum Ersten gibt es in Deutschland noch kein überregional ausgerichtetes Museum, das exklusiv Einwanderung bundesweit thematisiert. Zum Zweiten existiert – jenseits von Informationsportalen – überhaupt noch kein Museum, das sich losgelöst von räumlichen Begrenzungen gänzlich im virtuellen Raum befindet. Von daher erhält unser Projekt Modellcharakter.

Inhalt und Konzept

Inhaltlich steht die Einwanderung in Deutschland seit 1955 im Vordergrund. Dabei werden alle Migrationsformen von den Gastarbeitern der 1960er über Flüchtlinge und Asylsuchende bis zu modernen Formen der Mobilität behandelt. Anders als bei anderen Webportalen geht unser Vermittlungsansatz über die Bereitstellung von Informationen hinaus. Vielmehr entdecken die Besucher selbstständig, was Migration bedeutet und wie sich unsere Gesellschaft seit 1955 verändert hat. Sie laufen durch eine animierte Straßenszenerie, können Gebäude betreten und sich inszenierte Objekte ansehen. Dabei sind sie nicht an eine Zeitepoche gebunden. Vielmehr haben sie die Wahl zwischen verschiedenen Epochen.

Vorteile

Ausstellungen zum Thema Einwanderung erreichen häufig nur ein Publikum, das sowieso gerne ins Museum geht. Insbesondere jüngeren Menschen ist dies fremd. Das liegt unter anderem an den gewählten Darstellungsformen und dem veränderten Medienkonsumverhalten. Für ein virtuelles Migrationsmuseum stellen sich diese Hindernisse nicht. Durch den Einsatz verschiedenster Medien werden ein breiteres Publikum erreicht und gleichzeitig die komplexen Wandlungsprozesse attraktiv dargestellt. Zudem garantiert die zunehmende Vernetzung den Zugang von jedem Ort der Welt – ob in der Gruppe oder alleine von zuhause. Hemmschwellen für einen Museumsbesuch werden dadurch abgebaut. Durch die freie Zeiteinteilung entscheiden die Besucher selber, wann und wie lange sie verweilen möchten. Über Social Media und die technischen Möglichkeiten lassen sie sich zudem stärker in das Museum einbinden. Sie können beispielsweise ihre Geschichten erzählen oder selber Objekte beisteuern.
Anders als in klassischen Dauerausstellungen lassen sich neue wissenschaftliche Erkenntnisse und tagesaktuelle Ereignisse via eines Content Management Systems (CMS) schnell integrieren. Und zu guter Letzt sind die Kosten für den Aufbau und den nachhaltigen Betrieb wesentlich günstiger als bei einem realen Museum.

Überzeugt? Macht mit!

11 comments on “Was ist das Virtuelle Migrationsmuseum?

  1. Frank Splettstoesser sagt:

    DAUMEN RAUF!!!!
    Ich bin sehr gespannt wie ihr zum einen das Thema Migration an sich präsentieren werdet, da fehlt mir leider jede Vorstellungskraft und zum anderen bin ich auf die virtuelle Umsetzung Gespannt. Eure Möglichkeiten, einzelne Themen zu verändern, oder gänzlich neue Themengebiete einzubauen, gibt euch ungeheuer großen Spielraum, auch mal zu experimentieren. Die Idee, ein Museum in den virtuellen Raum zu verlegen, finde ich auch deswegen absolut spannend und freue mich auf den Startschuss um mich auf eurer animierten Straßenszene umzusehen.
    Ich drück die Daumen.

    Viele Grüße
    Frank

    • Robert Fuchs sagt:

      Hallo Frank,
      vielen dank für Deinen Kommentar und deinen Daumeneinsatz. Deine Anmerkungen treffen genau die zentralen Punkte: Dadurch, dass wir weder zeitlich noch räumlich gebunden sind, ist auch unserer Vorstellungskraft keine Grenze gesetzt. Das hat uns bei der Konzeption ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Den ersten Eindruck der Szenerie wirst du dann am 19. Februar mit dem Trailer bekommen. Ich bin gespannt, wie es dir gefällt.

      Viele Grüße

      Robert

  2. Sabine Wacker sagt:

    Interessantes Projekt, ich wünsche euch viel Erfolg und Freude damit.
    Viele Grüße
    Sabine

  3. Wulf Schade sagt:

    Lieber Arnd, lieber Robert, liebe Indira und liebe Sandra,

    ich habe euren Blog zum Migrationsmuseum gelesen. Wobei ich gar nicht weiß, ob ‚lesen‘ noch das richtige Wort für Internetinformationen ist.

    Ich finde den Blog unter verschiedenen Gesichtspunkten sehr intressant – und gut. ‚Gut‘ meine ich tatsächlich, obwohl ich merke, dass sich hier für mich eine von mir nur am Rande wahrgenommene Welt auftut. Die ganze Form in der lockeren Art und Weise ist für mich gewöhnungsbedürftig und ich weiß nicht, ob sie für einige oder viele meiner Altersgeneration zugänglich ist. Wobei ich klar feststellen muss, ‚locker‘ heißt hier nicht, oberflächlich in der Information. Als Beispiel sei hier der Bericht über das Europa-Seminar im April 2013 genannt, den Indira geschrieben hat. Ich war und bin eher einen nüchternen Bericht gewohnt, der nur ’sachlich‘ ist, glaube aber nicht, dass das – die sachliche – die einzige ‚richtige‘ Form sein muss und ist. Mein Sohn Ole übrigens, 21 Jahre, den ich extra als ‚Mitglied‘ der sehr jungen Generation gefragt habe, findet das richtig Klasse, wie ihr das macht.

    Aber trotzdem solltet ihr aufpassen, dass die lockere Art nicht zum ‚Muss‘, zur Masche wird und sich verselbständigt. Und noch eins dazu: Ihr solltet auf jeden Fall mal darüber sprechen, wie ihr den Zugang für uns/die Ältere(n) sichert. Viele sind es nicht gewohnt, in den social media-Foren zu surfen. Deshalb haben sie zu dieser jungen, frischen Art wie auch zu Begriffen wie ‚Likes‘, ‚Tags‘ oder ‚Follower‘ usw. keinen direkten Zugang, oftmals auch blödsinnige innere Sperren. Sie/wir befinden sich/uns aber auch im Internet und haben Interesse an einem virtuellen Migrationsmuseum. Euer Blog darf keine Internet-Veranstaltung für die Generation bis höchstens 50 werden. Eine Lösung habe ich spontan dafür nicht, denn man kann schlecht einen Blog für Leute bis 40/50 Jahre und einen für die darüber herstellen….

    Mir gefällt auch, dass ihr die in DOMiD bereits seit einigen Jahren umherrschwebende Idee eines virtuellen Migrationsmuseums tatkräftig anpackt und umsetzt. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Organisierung der Finanzierung ein schweres Stück Arbeit bedeutet. Dafür drück ich euch alle meine Daumen. Besonders freut es mich, das ihr schon einen Trailer hergestellt habt, der so ein bisschen zeigt, in welche Richtung es gehen soll. Kritisch anmerken muss ich hier allerdings die Intonation und damit verbunden teilweise auch die Wortwahl. Sie ist mir zu Märchenonkelhaft, d. h. letztlich fühle ich mich als Hörer nicht so richtig ernst genommen, so wie beim heute-journal von Marietta Slomka. Wohlgemerkt geht es mir hier nicht um Lockerheit, denn die ist hier nicht vorhanden. Im Trailer bemüht sich der Sprecher ‚Interesse‘ zu wecken und greift dabei mit Sätzen wie „Betreten wir ein Gebäude. Die Fabrik. In dieser Halle gibt es viel zu entdecken.“ eine Methode auf, die eher zu Kindern passt. Mich erinnert das an die sehr problematischen Sätze wie: „Man muss dem Besucher das Gefühl geben, ….“. Ich will aber nicht, dass mir ein ‚Gefühl‘ gegeben wird, sondern dass mit mir auf gleicher Ebene gesprochen wir.

    Noch ein weiterer kritischer Punkt: Warum schreibt ihr nur immer von Männern? Hattet ihr es beispielsweise nur mit männlichen Designern, Grafikern usw. zu tun? Nicht auch mit Grafikerinnen oder Designerinnen? Oder sollen euren Blog nur männliche Besucher besuchen?….

    Zum Schluss noch kurz etwas Inhaltliches: Die Vorteile eines virtuellen Migrationsmuseum nennt ihr zwar berechtigterweise, aber die Vorteile eines realen Mueums bleiben auf der Strecke. Mir fallen da vor allem ein, dass man in einem realen Museum bzw. einer realen Ausstellung die einzelnen Gegenstände, Dokumente usw. in Originalgröße und in den Originalfarben sehen kann. Gestaltete Räume, Inszenierungen kann man körperlich begehen, nicht nur virtuell. Wichtig erscheint mir als zweites, dass man viel einfacher eine reale Ausstellung als Gruppe besuchen und sich durch sie führen lassen kann. Man kann direkt fragen und darüber dann in der Gruppe und mit der Ausstellungsführerin bzw. dem Ausstellungsführer direkt sprechen. Man kann in dieser Hinsicht noch einiges aufzählen und ich bin gespannt, welche ‚reale‘ Zukunft virtuelle Museen haben.

    Insgesamt glaube ich, dass ihr durch die hervorragende ‚reale‘ Sammlung von DOMiD eine tolle Basis besitzt, ein wirklich fundiertes und v. a. überprüfbares und damit vertrauenswürdiges virtuelles Museum zu entwickeln. Es gibt nämlich Projekte, die ohne materielle eigene Sammlung virtuelle Museen oder virtuelle Dokumentationen ins Netz stellen wollen, wo man sich dann fragt, wie will man auf lange Sicht die Echtheit des einzelnen Gegenstandes bzw. Dokuments überprüfen. Deshalb stelle ich als – zugegeben gewagte – These auf: ein seriöser Verein stellt in einem virtuellen Museum nur das aus, was er in der eigenen Sammlung real besitzt.

    In diesem Sinne wünsche ich euch alles Gute bei eurem Vorhaben und verspreche euch, eure Arbeit auch in Zukunft weiterhin zu verfolgen und im Sinne der o. g. Seriösität zu ‚kontrollieren‘.

    Viele Grüße aus Bochum
    Euer Wulf

    • Robert Fuchs sagt:

      Lieber Wulf,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen und offenen Kommentar. Wir freuen uns über die positiven Punkte, die Du ansprichst und nehmen Deine Kritik zum Anlass einer Reflexion:

      Was deine Bemerkungen zur „lockeren Art und Weise“ betrifft, so war die Wahl eines Blogs eine bewusste Entscheidung. Anders als eine wissenschaftliche Homepage wollen wir insbesondere unseren Arbeitsprozess transparent machen und ein möglichst breites Publikum erreichen. Wir sind alle ausgebildete Wissenschaftler, die sich der Herausforderung stellen, ihre Arbeit anschaulich – jenseits einer rein sachlichen Schilderung – darzustellen. Der Austausch mit unseren Lesern ist uns ebenso wichtig, wie die nüchterne Weitergabe von Informationen. Wir verstehen aber selbstverständlich, dass diese Form nicht die allein Seligmachende ist. Generell ist anzumerken, dass die Art, wie wir auf dem Blog kommunizieren, nicht die Art ist, wie wir im Virtuellen Migrationsmuseum – einem gänzlich anderen Medium – sprechen werden.

      Zum Trailer: Du kritisierst die Intonation des Sprechers und die Wortwahl. Der Trailer dient als Teaser. Er soll kurz beschreiben, was zu sehen ist und wie das Museum funktionieren wird. Mit Blick auf die Zeit- und Raumebenen sind hier sehr viele Informationen auf 2 Minuten verdichtet dargestellt. Die kurze, deskriptive Form der Sätze soll dem Rechnung tragen. Wie der Blog nicht die Sprache des Virtuellen Migrationsmuseums spiegelt, so kann auch der Trailer nicht auf das eigentliche Museum übertragen werden. Der Trailer soll ein Gefühl vermitteln, wie das Museum aussehen wird. Ein entscheidender Vorteil des virtuellen Museums ist, dass wir den Besucher eben nicht bei der Hand nehmen – wie in einem klassischen Parcours – und durch die Ausstellung leiten, sondern dass der Besucher autark entscheiden kann, was er sehen und machen will.

      Vielen Dank für den Hinweis auf den Genderaspekt. In der Tat waren unsere Designer und Grafiker ausschließlich Männer. Abgesehen davon haben wir uns aus Lesbarkeitsgründen bewusst dafür entschieden, keine gegenderte Schreibform zu verwenden.

      Wir sehen das virtuelle Museum nicht als Ersatz für eine haptische Ausstellung bzw. ein reales Museum. Hierfür setzt sich unser Verein weiterhin ein. Die Frage, die sich stellt, ist, ob es bis dahin sinnvoller ist, die Schätze, die in DOMiDs Sammlung lagern, nicht auszustellen oder virtuell einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Was die Gruppenführungen betrifft, werden gegenwärtig Konzepte entwickelt, um mit Gruppen durch virtuelle Ausstellungen zu laufen und in Echtzeit zu kommunizieren.

      Dank unserer Objekte und unserer Sammlungserfahrung können wir die Authentizität der Ausstellungsstücke im virtuellen Raum im Rahmen des Möglichen garantieren. Damit unterscheiden wir uns in der Tat von anderen virtuellen Projekten. Hierin liegt aber auch einer unserer Ansprüche.

      Wir danken Dir nochmal für Deine konstruktive Unterstützung sowie die Wünsche und hoffen, Deine Anmerkungen für das Erste beantwortet zu haben.

      Mit den besten Grüßen aus Köln

      Indira, Sandra und Robert

  4. Bärbel sagt:

    Liebe Indira, Sandra und Robert,
    Super Idee, das virtuelle Museum!!! Ich hab mich noch gar nicht so richtig umgeschaut bei Euch, aber ein Satz hat mich dazu veranlasst, direkt mal zu schreiben. (…ab 1955…) und folgende Frage zu stellen:
    Wieso kann es nicht ab 1945 losgehen?
    Beste Grüße,
    Bärbel

    • Robert Fuchs sagt:

      Liebe Bärbel,

      vielen Dank für Deine Mail und schön, dass Dir unser Projekt gefällt.
      Zu Deiner Frage: Wir haben uns tatsächlich dagegen entschieden in der Grundkonzeption bereits 1945 einzusetzen bzw. der Epoche 1945-1955 einen prominenten Raum zu geben. Das bedeutet aber, dass eine Erweiterung in die Vergangenheit zu einem späteren Zeitpunkt – dem Internet sei Dank – durchaus möglich ist. Die Flüchtlinge, Vertriebenen und auch DPs werden aber nicht völlig ausgeblendet, sondern ihre Geschichte wird thematisiert, da sie teilweise den Vorlauf bzw. eine Vergleichsperspektive für die später folgenden Einwanderungsprozesse bildet. Allerdings wird dies nicht in Form von Objekten, Videos oder Interviews geschehen, sondern über textlich inhaltliche Bezüge. Ein Grund hierfür liegt darin, dass DOMiDs wissenschaftliche Kernkompetenz und unsere Sammlung erst 1955 einsetzen. Für die Einwanderung von Vertriebenen gibt es andere Institutionen, die hier besser aufgestellt sind. Mit dem ersten Anwerbeabkommen 1955 endet die direkte Nachkriegsmigration und eine neue Form der Einwanderung setzt ein, weshalb wird diesen Zeitpunkt – Zeitpunkte sind natürlich immer problematisch, wenn es um historische Prozesse geht – gewählt haben.

      Wir hoffen, dass dies Deine Frage beantwortet und senden sonnige Grüße

      Indira, Sandra und Robert

  5. Toll.
    Herzlichen Glueckwunsch fuer Eure initiative.

    Wuensche Euch viel erfolg.

    Gruss direct aus Portugal, wo ich seit 1982 wieder lebe.

    Carlos

    • Sandra Vacca sagt:

      Hallo Carlos und danke für die netten Worte!
      Wir freuen uns, dass unsere Initiative auch in Portugal bekannt ist. Falls Du uns Deine Migrationsgeschichte erzählen willst, kannst Du uns sehr gerne kontaktieren!
      Bis dahin viele Grüße nach Portugal,
      Sandra

  6. […] Migrationsmuseums und hat dafür die ersten Förderzusagen erhalten. Mit dem bereits bestehenden virtuellen Migrationsmuseum möchte DOMiD auch die museumsferne und die jüngere Zielgruppe besser ansprechen. Jetzt soll […]

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