Bengü stellt sich vor

Nachdem Fatma sich letzte Woche vorgestellt hat, ist jetzt Bengü dran!

Bengü auf der Suche nach neuen Fotos für die Sammlung

Bengü auf der Suche nach neuen Fotos für die Sammlung

Campus Universität Essen, 1998, irgendwann im Januar, sitze ich im Schneidersitz auf einem Flurboden in dem roten Gebäudekomplex, vor dem Büro einer Türkisch-Professorin, die mir als Zweitbetreuung meiner Magisterarbeit zugeteilt wurde. Mein Thema: „A constrastive linguistic analysis of Turkish and English“. Ich blättere in meinen Unterlagen und bin gespannt auf sie. Vor mir sind noch drei Studentinnen dran, die sich vergnügt auf türkisch unterhalten – offensichtlich vom Fachbereich Turkistik. Die Tür öffnet sich, die Professorin streckt ihren Kopf heraus und spricht die Drei direkt mit Vornamen an – es scheint, sie kennen sich länger. In zwei kurzen, schnellen Sätzen erklärt sie, dass gerade ein guter Freund angerufen hätte, mit der Bitte doch möglichst gestern noch eine Mitarbeiterin für eine Ausstellung im Ruhrlandmuseum Museum zu empfehlen. Die Mädchen schauen sich etwas verdutzt an. Die Professorin meint, die einzige Bedingung: sehr gute Türkisch- und Deutschkenntnisse. Natürlich ist die Sache sehr dringend! (später stellt sich bei DOMiD heraus, dass die Einstufung „dringend“ ein ernst zu nehmender Bestandteil des Arbeitsalltags ist). Sie sagt auf Türkisch noch so was wie „Das ist euch wie auf den Leib geschnitten. Museumsarbeit, eine einzigartige Chance!“ und winkt die Drei gleichzeitig, hinter sich die Tür auflassend, hastig herein. Eins der Mädchen, schulterlange, glatte, schwarze Haare, verdreht die perfekt geschminkten Augen und sieht leicht genervt aus. Nicht gerade freudestrahlend laufen sie aber der Professorin trotzdem hinterher, die ihnen die Telefonnummer des Herrn geben will.

Ich denke – nein zum Denken ist gar keine Zeit – ich handle… Ich stehe auf, lasse sogar meine wertvollen Magisterunterlagen im Flur liegen, und laufe einfach hinterher. Dreist? Mutig? Neugierig? Verrückt? Scheinbar eine Mischung von allem treibt mich, vor allem aber mein Instinkt. Ich durchquere das Vorzimmer und auf ihrem langen Schreibtisch ist die Professorin bereits dabei die Telefonnummer zu notieren, gleich dreifach. Sonst relativ zurückhaltend, mache ich mir keine Gedanken, dass ich mich ungebeten im Raum aufhalte. Was soll’s, vielleicht übersieht sie mich ja – ich bin ja klein und zierlich. Dabei bleibt es nicht, ich reiße mir tatsächlich einen Post-it und greife nach einem Kuli aus ihrer Stiftebox, und schreibe die Nummer einfach ab. Im Augenwinkel merkt sie meine Anwesenheit doch, aber sie ist zu sehr beschäftigt die Mädels von diesem Superjob zu begeistern, diese nicken jedoch ziemlich abwesend und stecken die Zettel aus reiner Höflichkeit ein.

Fremde Heimat, 1998

Fremde Heimat, 1998

Bereits am nächsten Tag, findet mein Bewerbungsgespräch in einer Garage (!!) in Essen statt – der Beginn einer langen Verbundenheit. Seit diesem Tag fühle ich eine starke innere Bindung zu der Arbeit von DOMiD, die sich oft nicht logisch erklären lässt. Die Arbeit mit den Objekten, alten Fotos und die unzähligen persönlichen Perspektiven der Geschichte, die bei DOMiD schlummern, haben mich von der ersten Stunde an fasziniert. Ich wollte nur noch mehr erfahren und habe die Geschichten quasi eingeatmet. Die Anziehungskraft unentdeckter Schätze entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Suchtfaktor, dessen ich mich kaum entziehen konnte. Wenn man mich heute grinsend über den langen Flur laufen sieht, habe ich bestimmt wieder eine kleine oder aber eine größere Entdeckung gemacht, über jede einzelne ich mich immer wieder wie eine Schneekönigin freue.

Dementsprechend wird mir die Arbeit im virtuellen Museum besonders Freude bereiten. Endlich werden diese Geschichten nachhaltig nach außen getragen und erreichen im virtuellen Raum unzählige Menschen. Ich darf die Schätze wieder aus ihren Hüllen rausholen, vorsichtig das Seidenpapier entfernen und sie für ihren großen Auftritt vor die Kamera stellen. Sicher werde ich im Verlauf des Projekts noch mehr Schätze entdecken, auf die ich mich jetzt schon tierisch freue.

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