Die Sammlung wächst! Neue Objekte für das Virtuelle Migrationsmuseum

Vor ein paar Monaten haben wir Euch berichtet, wie die Objekte zu uns kommen können. Aus aktuellem Anlass zeige ich Euch heute einen ganz anderen Weg.

"Gastarbeiter" - Das Buch zum gleichnamigen Zyklus

„Gastarbeiter“ – Das Buch zum gleichnamigen Zyklus

Überall verstecken sich Zeugnisse der Migrationsgeschichte. Man muss ein Gefühl und ein Auge dafür entwickeln, sie aufzuspüren. 2013 entdeckt DOMiDs Geschäftsführer Arnd Kolb einen kleinen Schatz, den er zur Ergänzung unserer Sammlung kauft. Es handelt sich um eine Serie von Kunstwerken, die zu einem Zyklus des kroatischen Künstlers Dragutin Trumbetaš gehören. Das Thema lautet „Gastarbeiter_innen“ in Deutschland. Der als Schriftsetzer ausgebildete Künstler wanderte 1966 nach Deutschland ein. In Frankfurt beobachtete er die oft absurden und demütigenden Lebensbedingungen der ausländischen Arbeiter_innen.

Der „Gastarbeiter-Zyklus“

Darum zeichnete er eine Serie, „Gastarbeiter“, die mehr als 70 Grafiken enthält. Die gekaufte Mappe gibt einen rohen, ungeschönten Eindruck von einem sehr einsamen, anstrengenden Alltagsleben neben der Arbeit. Insbesondere das Thema der Sexualität ist sehr präsent – das normalerweise in Diskursen über das Alltagsleben der Migrant_innen wenig auftaucht. Da die Mappe sozialgeschichtlich und künstlerisch eine große Bereicherung unserer Sammlung darstellt, versuchen wir mit dem Künstler in Kontakt treten. Glücklicherweise organisiert 2013 das Historische Museum Frankfurt eine Ausstellung über Trumbetaš. Also kontaktiere ich die Kuratorin Dr. Angela Jannelli, um sie zu bitten, den Kontakt herzustellen – aber auch sie hat nur eine Postadresse, die wir schon kennen.

Ende der Geschichte?

Bankfurt ist Krankfurt

„Bankfurt ist Krankfurt“, 1982

Nicht ganz. Ein Jahr später bekomme ich eine unerwartete Mail von Frau Claude Legueltel, aus Frankfurt. Sie ist im Besitz einer Mappe von Trumbetaš und fragt, ob wir Interesse hätten. Meine Email-Adresse hat sie von Frau Dr. Jannelli bekommen, die sich an unsere Anfrage erinnerte. Unser Glück: es handelt sich um eine andere Mappe des Künstlers, die den sprechenden Namen „Bankfurt ist Krankfurt“ (1982) trägt.

Bankfurt ist Krankfurt

Frau Legueltel will uns kennenlernen und bringt uns die Mappe. Diese ist viel größer als die andere, aber die zwanzig Graphiken sind genau wie beim „Gastarbeiter-Zyklus“ zugespitzt und geistreich. Die Radikalität und Intensität der hoch-politischen Zeichnungen ist immens und als wir zusammen durch die Graphiken blättern, muss ich abwechselnd lachen, schlucken oder einfach sprachlos staunen. Trumbetaš zeichnet viel und über sehr unterschiedliche Themen in seinem unverwechselbaren Stil – die meisten Bilder sind heute genauso relevant wie vor 30 Jahren.

Eine Mappe – viele Geschichten

Ein unverwechselbarer Stil

Ein unverwechselbarer Stil – Zeichnungen aus „Bankfurt ist Krankfurt“

Als ich nach der Geschichte der Mappe frage, erzählt mir Frau Legueltel wie sie Dragutin Trumbetaš kennen lernte: sie hatten in den späten 1970er Jahren gemeinsame Kontakte, als sie noch mit Freund_innen eine Galerie in Frankfurt – mit dem suggestiven Namen „Grüne Panther“ – betrieb. Ob Trumbetaš dort ausgestellt hat? Nein, aber woanders in Frankfurt, in der Evangelischen Französischen Reformierten Gemeinde. Um ihn finanziell zu unterstützen, kauften sie und viele andere seiner Freund_innen, Anfang der 1980er Jahre ein Exemplar dieser Mappe. Und heute? Heute gehört sie in DOMiDs Sammlung, so Frau Legueltel.

Diese Meinung teilen wir – wir bedanken uns bei Frau Legueltel und auch bei Frau Dr. Jannelli für die Vermittlung!

 

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