Erinnern ist Zukunft! Tagung zur Erinnerungskultur

Ein Ziel des Virtuellen Migrationsmuseums ist es, Migrationsgeschichte multiperspektivisch zu erzählen. Nur so können wir zukünftig allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an einer gemeinsamen Geschichte ermöglichen. Daher freuten wir uns, zu einer Tagung mit dem Titel „Multiple Memories – Erinnerungskulturen der Migration“ eingeladen zu werden. Diese wurde von der Zukunftsakademie (ZAK NRW) am 5. und 6. Dezember in Duisburg-Marxloh organisiert.

Labor: Erinnern 2.0 mit v. l. n. r.: Karl Zechenter, Kübra Gümüşay, Dr. Robert Fuchs, Sandra Vacca, Dr. Erik Meyer (copyright Thorsten Schnorrbusch Photography)

Labor: Erinnern 2.0 mit v. l. n. r.: Karl Zechenter, Kübra Gümüşay, Dr. Robert Fuchs, Sandra Vacca, Dr. Erik Meyer (copyright Thorsten Schnorrbusch Photography)

Ich selber moderierte das Panel „Erinnern 2.0: Digitale Erinnerungskulturen zur Migration“, das in der TauschBar stattfand.[i] Da ich blogge und in den Social Media aktiv bin, freute ich mich über die eingeladenen Panelteilnehmer_innen. Kübra Gümüşay reflektierte die Potentiale des Internets als Raum für Gegenöffentlichkeiten und stellte den antirassistischen Hashtag #Schauhin vor. Dr. Erik Meyer berichtete über die Transformation kommemorativer Kommunikation durch das Digitale. Karl Zechenter präsentierte das spannende Spiel Frontiers, das auf wissenschaftliche Recherchen zum Thema Flucht und Grenzen basiert. Und unser „Hausdoktor“ Robert stellte Inhalt und Konzept des Virtuellen Migrationsmuseums vor.

Dank des aktiven Publikums entstand eine lebendige Diskussion um die Potentiale und Grenzen der digitalen Welten. Dabei kam mit Blick auf Archive folgendes heraus:

Die Institution „Archiv“ wird demokratisiert

Das Internet bietet viele Möglichkeiten und verspricht einen faireren Zugang zu Archiven und Museumssammlungen. Indem Bestände digitalisiert und online gestellt werden, sinken Hürden und die Institution „Archiv“ wird demokratisiert. Die Speicherungsmöglichkeiten sind heutzutage fast unendlich – das bedeutet einerseits, dass man beim Sammeln weniger selektiv sein muss, aber auch, dass die Sammlungen zum Teil unübersichtlich werden. Zudem stehen die Nutzer_innen vor dem Problem, zu finden, was sie suchen. Wie kann ich als Anbieter durch Suchmaschinen gefunden werden? Und wiederum: wie suche ich als Nutzer_in richtig? Für beide Seiten müssen entsprechende Kompetezen vermittelt werden.

„Sprechen ist Macht!“

Kübra Gümüşay, "Wir existieren nicht" (copyright Thorsten Schnorrbusch Photography)

Kübra Gümüşay, „Wir existieren nicht“ (copyright Thorsten Schnorrbusch Photography)

Mit Blick auf vielfältige Erinnerungen waren sich alle Teilnehmer_innen einig: in der digitalen Welt kommen Positionen zur Geltung, die ansonsten marginalisiert werden. Wie Kübra Gümüşay es treffend formulierte, „Sprechen ist Macht!“ und das Internet ist eine Spiel- und Experimentierfläche, wo jede/r sich äußern darf und kann. Das Entscheidende ist, dass dabei – beispielsweise auf dem eigenen Blog – keine redaktionellen Hürden bestehen, die festlegen, was publiziert wird und wer publiziert. Durch diesen partizipativen Ansatz, pluralisieren sich die Perspektiven. Allerdings besteht auch hier die Gefahr, dass einzelne, fragmentierte Perspektiven (die Multiple Voices) durch die Massen an Stimmen untergehen. Dagegen gibt es Strategien: Aktionen wie der Hashtag #Schauhin gegen Alltagsrassismus zeigen, dass massives Twittern es ermöglicht, die Aufmerksamkeit der Presse zu erregen.

Das Internet als sozialer Raum

Noch auf einer weiteren Ebene wurde deutlich, dass das Internet ein sozialer Raum ist, in dem insbesondere Jugendliche für politische Themen interessiert werden können – sei es durch die aktive Teilnahme an Blogs, Youtube-Videos oder durch das Spielen. In dem Spiel Frontiers beispielweise, interagieren die Spieler durch eine Chat-Funktion miteinander. Bei diesen Spielen und auch dem Virtuellen Migrationsmuseum stellen sich zwar Fragen der Nachhaltigkeit und der technischen Lebenszyklen, aber solche Probleme sollten keinesfalls davon abhalten, die Potentiale der digitalen Räume jetzt auszunutzen.

Klar wurde zudem, dass marginalisierte Gruppen auch reale Räume benötigen, wo sie sprechen und gehört werden – ohne beurteilt zu werden. Ein Raum, der durch das Digitale nicht ersetzt werden kann.

 

Ein Interview mit Timo Koester, Geschäftsführer der ZAK NRW, könnt Ihr euch hier anhören: http://www.wdr3.de/zeitgeschehen/zukunftslabornrw100.html

 

[i] TauschBar ist ein Verein, der engagierten Mitbürger_innen einen kostenlosen Wohnraum in Duisburg-Marxloh zur Verfügung stellt im Gegenzug von einer unentgeltlichen Betreuung von benachteiligten Kindern des Stadtteils. Mehr hier.

 

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