Achtung, es wird theoretisch: Das Virtuelle Migrationsmuseum und Erinnerungskultur

 

Neben den „Jägern des verlorenen Schatzes“ rufen wir ab heute eine neue Reihe ins Leben. Wir wollen Euch mit wichtigen Begriffen vertraut machen, die uns in unserer täglichen Arbeit begleiten. Den Anfang macht dabei ein Wortungetüm: Die Erinnerungskultur.

Was hat das Virtuelle Migrationsmuseum damit zu tun? Das heißt, wie hängen Museen und Erinnerung zusammen? Die Verbindung scheint auf den ersten Blick nicht offensichtlich. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich, dass beide direkt verbunden sind und ihre Interaktion eine hohe gesellschaftliche Relevanz besitzt.

Individuelle und kollektive Erinnerungen

Veranstaltung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft

Veranstaltung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft

Jeder Mensch hat seine eigenen Erinnerungen. Gleichzeitig sind wir als soziale Wesen in verschiedene Gruppen eingebunden. Gruppen – wie beispielsweise Nationen, Familien, Parteien, Fanclubs – schaffen sich ein kollektives Gedächtnis bzw. eine spezifische Erinnerung. Dieses basiert beispielsweise auf Riten und/oder Erzählungen. Das kollektive Gedächtnis ist dabei nicht die Summe der individuellen Erfahrungen der Mitglieder. Vielmehr bildet das kollektive Gedächtnis den Rahmen für den einzelnen Menschen, der es ihm erlaubt sich selber der Gruppe zuzurechnen. Die Identität des Einzelnen wird verbunden mit der kollektiven Identität der Gruppe. Die Überlieferung der kollektiven Identität ist an Medien gebunden. Dabei kommt insbesondere Museen, Denkmälern oder dem Schulunterricht eine besondere Rolle zu, weil sie Bezugspunkte der kollektiven Identität auf Dauer stellen und über Generationen hinweg vermitteln können.

Der Begriff der Erinnerungskultur umfasst – in einer weiten Definition – „alle erdenkbaren Formen der bewussten Erinnerung an historische Ereignisse, Persönlichkeiten und Prozesse […]“[1]. Bei den genannten Beispielen handelt es sich um öffentliche, das heißt politisch geförderte, Formen der Erinnerung. An dieser Stelle wird ein Migrationsmuseum, das die Einwanderungsgesellschaft darstellt, relevant:

Das Virtuelle Migrationsmuseum, Erinnerungskultur und Identität

Das Thema boomt

Das Thema boomt

Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft – Deutschland ist nach den USA weltweit das beliebteste Ziel von Einwanderern. In unseren Großstädten wird jedes zweite Kind mit „Migrationshintergrund“ geboren. Ein Museum, das die Vielfalt der Bevölkerung widerspiegelt, das die lange Geschichte der Wanderungen nach Deutschland erzählt, das den hier lebenden Einwanderern, ihren Kindern und Enkelkindern einen Platz und Anknüpfungspunkte in „der“ deutschen Geschichte anbietet, fehlt. Obwohl es längst eine gemeinsame Vergangenheit gibt, hat diese noch keinen oder keinen ausreichenden Platz in der öffentlichen Erinnerungskultur. Hier will das Virtuelle Migrationsmuseum ansetzen und eine gemeinsame, multiperspektivische Geschichte erzählen, die den Einwanderern und ihren Nachfahren sowie allen anderen Teilen der Bevölkerung Berührungspunkte aufzeigt und Teilhabe ermöglicht. Nur so kann langfristig eine neue, gemeinsame kollektive Erinnerung entstehen, zu der sich alle Bevölkerungsgruppen als zugehörig empfinden. Das heißt unser Ansatz in der Vermittlung ist von vorneherein multiperspektivisch angelegt.

[1] Cornelißen, Christoph: Erinnerungskulturen, Version 2.0. In: Docupedia-Zeitgeschichte, 22.10.2012. URL: http://docupedia.de/zg/erinnerungskulturen [Zugriff am 06.08.2014].

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s