Und endlich ruht der Ball: Die Auflösung!

1

 

Heute präsentiert Euch Stefanie stolz ihren Gewinn. Neben dem Katalog freut sie sich besonders, dass ihre Geschichte auf unserem Blog veröffentlicht ist. Auch sie fragt sich aber, was es mit dem Tischfußball wirklich auf sich hat. Was verbirgt sich für eine reale Geschichte hinter diesem Objekt, was hat er mit Migration zu tun?

Die strahlende Gewinnerin

Die strahlende Gewinnerin

An diesem Tisch spielten hauptsächlich italienische Kinder. Er stand in einem Internat, das zunächst ausschließlich für die Kinder italienischer „Gastarbeiter“ eingerichtet wurde. Als Mitte der 1960er Jahre die Familien italienischer „Gastarbeiter“ die Möglichkeit erhielten, in die BRD einzureisen, kamen auch viele Kinder. Die meisten von ihnen hatten ihre ersten Grundschuljahre in ihrer Heimat erlebt und sprachen wenig oder gar kein Deutsch. Daher stellte sich das Problem, wie sie in Deutschland beschult werden sollten. Da die „Gastarbeit“ zudem nicht auf Dauer angelegt war – die „Gastarbeiter“ sollten irgendwann wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren – schien es nicht notwendig, diese Kinder in das deutsche Schulsystem zu integrieren. Vielmehr sollten sie einen Abschluss erreichen, der ihnen in Italien eine weitere Ausbildung ermöglichte. Das Erzbistum Köln suchte nach einer Lösung und eröffnete in einem ehemaligen Krankenhaus in Stommeln ein Internat und eine Schule. Hier stand der Tischfußball und diente den Schülern zur Freizeitgestaltung.

Einzigartige Konstruktion

Die Verwaltung unterlag dem italienischen Generalkonsulat und 1968 übernahm die katholische Ordensgemeinschaft der Pavoniani die erzieherische Verantwortung. Während zunächst nur interne Schüler die Schule besuchen durften, wurde sie später auch Kindern außerhalb des Internats zugänglich gemacht. Die Praxis, dass nur italienische Abschlüsse erworben werden konnten, bestand bis ins Schuljahr 1975/76. In diesem Jahr wurde die Schule konzeptionell umgestaltet, eine Hauptschule eingerichtet und auch deutsche Abschlüsse möglich – damals eine einzigartige Konstruktion in der BRD. Heute ist die Papst-Johannes-XXIII-Schule in Pulheim-Stommeln eine integrierte deutsch-italienische Gesamtschule für Jungen und Mädchen.

Ob an unserem Kicker-Tisch die großen Spiele zwischen Italien und Deutschland nachgespielt wurden, bleibt wohl für immer im Dunkel der Geschichte. Der Tisch ist aber ein Symbol dafür, wie sehr Bildung und Migration miteinander verzahnt sind.

Wir hoffen, damit Eurer Neugier Genüge getan zu haben! Dir, liebe Stefanie, nochmal einen herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für Deinen Text und das schöne Foto!

One comment on “Und endlich ruht der Ball: Die Auflösung!

  1. Ich weiss gar nicht, welche der beiden Geschichten mir besser gefällt 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s