Die Jäger des verlorenen Schatzes III

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Die Jagd in den Tiefen des Archivs geht weiter. Heute zeigt uns ein Gastbeitrag ein weiteres Objekt, das wir im Virtuellen Migrationsmuseum präsentieren werden. Viel Spaß dabei!

Vorsicht, Gastbeitrag! Mein Name ist Ole Merkel und ich mache derzeit ein Studienpraktikum bei DOMiD. Beim Stöbern durch die Archiv- und Depoträume bin ich auf einen bedeutsamen (auch von der Größe) Schatz gestoßen: Ein Fahrrad, was mich besonders interessiert, da ich selbst oft mit dem Rad unterwegs bin.

Vom Wohnheim zum Arbeitsplatz

Ole und das Rad

Ole und das Rad

Dieses Fahrrad der Firma Göricke nutzten „Gastarbeiter“ von ca. 1960 bis 1979, um in Schweinfurt bei der Firma Fichtel und Sachs, die Motoren herstellten, den Arbeitsweg zurückzulegen – stellvertretender Vorsitzender war zu dieser Zeit übrigens der vielfach als „Playboy“ bezeichnete Gunter Sachs. Der Weg von den Arbeiterwohnheimen zum Arbeitsplatz war häufig weit und nicht unbedingt zu Fuß erreichbar. In der Anlage, in der dieses Fahrrad stand, wohnten größtenteils aus der Türkei stammende Arbeiter.

Detailansicht des Sattels

Detailansicht des Sattels

Die Lebensbedingungen der hier wohnenden „Gastarbeiter“ waren selten angenehm. In der Regel war der Arbeitgeber dafür verantwortlich, Wohnraum für die Arbeiter bereitzustellen. Wenn die „Gastarbeiter“ in Arbeiterwohnheimen lebten, wohnten sie dort häufig mit vier bis sechs Leuten in einem einzigen Raum. Dies besserte sich erst in den 1970er Jahren. Nach außen waren die Wohnheime manchmal sogar mit Stacheldraht „gesichert“, in Schweinfurt war es Maschendrahtzaun.

„Ankara-Straße“ und „Türken-Platz“

Die Straße vom Wohnheim zum Arbeitsplatz wurde eine Zeit lang offiziell in „Ankara-Straße“ umbenannt und der Platz davor in „Türken-Platz“. Das Fahrrad war – auch wenn es seine Arbeit erledigte – wahrlich kein Prunkstück, denn die Bremse war schwer zu erreichen und eine Gangschaltung fehlte. Dennoch dürfte es für den Fahrer durchaus angenehm gewesen sein, dem Wohnheim auf dem Fahrrad entfliehen zu können und auf dem Weg zur Arbeit etwas Freiraum zu verspüren.

In mir hat das Rad jedenfalls viele Assoziationen ausgelöst und ich freue mich schon darauf, zu sehen, wie es im Virtuellen Migrationsmuseum eingesetzt werden wird.

One comment on “Die Jäger des verlorenen Schatzes III

  1. P. M. Gehle sagt:

    ein spannender und eingängig geschriebener Bericht – Danke dafür.

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