Wie die Objekte zu uns kommen!

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In den letzten beiden Posts haben wir Euch zwei unserer Lieblingsobjekte vorgestellt. Wie die überhaupt zu DOMiD kommen, erzähle ich Euch heute.

Wie jedes Museum hat DOMiD klare Sammlungsrichtlinien: wir wissen, was wir annehmen dürfen – und was nicht. Wir freuen uns natürlich, wenn wir kontaktiert werden, sammeln aber selbstverständlich auch aktiv. Eine Herausforderung ist es, Objekte und Dokumente zu finden, die die Geschichte der Migration in sich tragen. Besonders spannend sind Objekte, die transnationale Aspekte der Migrationsgeschichte widerspiegeln – diese sind aber leider selten.

Umso größer war meine Freude, als ich – als Kind sardischer Eltern – letztes Jahr Kontakt mit dem Messaggero Sardo aufnahm. Der Messaggero ist eine Zeitung für Sarden, die aus Sardinien (Italien) ausgewandert sind. Die Zeitung wurde 1969 gegründet, bis vor kurzem noch gedruckt und monatlich kostenlos an Sarden in über 70 Ländern gesendet. Ich kenne diese Zeitung seit meiner Kindheit in Frankreich und habe sie abonniert seit ich in meine eigene Wohnung eingezogen bin. Heute ist die Zeitung online zu lesen.

Eine besonders spannende Quelle

Ein Artikel über ein Treffen deutscher Vereine

Ein Artikel über ein Treffen deutscher Vereine

Der Messaggero berichtet über die politische Situation in Italien und insbesondere auf Sardinien. Sie erzählt aber auch vom Leben der Ausgewanderten in ihren neuen Wohnorten. Gewerkschaftliche Auseinandersetzungen, Berichte über Wohnsituationen, Diskriminierungen und kulturelle Aktivitäten: mit dieser Zeitung wissen alle Sarden weltweit, wie es ihren „Ko-Insulanern“ geht.

Der Messaggero erzählt also eine transnationale Geschichte der sardischen Migration, symbolisiert aber auch den Zusammenhalt der Sarden über die Grenzen. Es zeigt auch, dass die Idee einer homogenen „nationalen Community“ illusorisch ist: in Deutschland gibt es neben den italienischen oder spanischen Vereinen auch regional-orientierte Organisationen. Letztlich ist es interessant zu lesen, wie das Leben der Auswanderer in Deutschland und die deutsche Migrationspolitik beschrieben und mit anderen Ländern Europas verglichen werden: Eine besonders spannende Quelle für Migrationsforscher.

Die Zeitungen müssen nach Deutschland geholt werden!

Diese Zeitung war entsprechend ein guter Kandidat für unsere Sammlung. Ich kontaktierte das Kuratorium des Messaggeros und bat um eine Kopie der gesamten Zeitungen. Der Vorstandsvorsitzende informierte mich, dass er dabei war, den Sitz der Zeitung auszuräumen. Ich rief also genau zum richtigen Zeitpunkt an. DOMiD bekam eines der beiden fast vollständig erhaltenen Sets der Zeitungen seit 1972.

´Einer der vielen Ordner

Eine der vielen Archivboxen

Den Rest der Dokumente übergab er das Stadtarchiv der Stadt Cagliari auf Sardinien.

Seit März 2013 haben die Zeitungen bei DOMiD ein neues Zuhause. Ich bin dabei, alle individuell durchzuarbeiten, um sie in unserer Datenbank detailliert einzupflegen. Eine langwierige Arbeit, die aber notwendig ist – und mir persönlich viele Freude bereitet.

One comment on “Wie die Objekte zu uns kommen!

  1. […] ein paar Monaten haben wir Euch berichtet, wie die Objekte zu uns kommen können. Aus aktuellem Anlass zeige ich Euch heute einen ganz anderen […]

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