Die Jäger des verlorenen Schatzes I

 

In unseren Depot- und Magazinräumen schlummern nicht gehobene Schätze. Für Euch wagen wir uns in deren Tiefen, an denen Sonnenlicht ein seltener Gast ist. Wir präsentieren Euch ab heute regelmäßig unsere Lieblingsobjekte. Der Clou: Sie werden alle im Virtuellen Migrationsmuseum zu sehen sein.

Spirometer

Spirometer

Also Hut auf, Peitsche parat und ab geht es. Mein erstes Lieblingsobjekt versteckt sich in einer der hintersten Ecken: Ein Spirometer. Dabei handelt es sich um eine Vorrichtung zur Bestimmung des Lungenvolumens. Geräte dieser Art sind von den 1950er bis in die 1980er Jahren sehr verbreitet, um zu überprüfen, ob die Lungen gesund oder krank sind. Dazu muss man in ein Rohr pusten wodurch sich im inneren eine Blase mit Luft füllt, die dann einen Stab aus dem Behälter drückt. Von der Skala auf dem Metallstab kann dann das Lungenvolumen abgelesen werden.

Der Gesundheitscheck war vorgeschrieben

Was hat dieser Apparat in DOMiDs Bestand verloren und warum ist es eines meiner Lieblingsobjekte? Dieses Atemmessgerät stammt zwar aus Deutschland, wurde aber in den 1960er und 1970er Jahren bei den Gesundheitsuntersuchungen in der deutschen Verbindungsstelle in Istanbul verwendet. Hier mussten sich Menschen, die nach Deutschland zum Arbeiten kommen wollten, einer Gesundheitsuntersuchung unterziehen. Deutsche Ärzte prüften den gesundheitlichen Zustand und entschieden dann, ob ein potenzieller Bewerber fit genug war.

Ein schlimmer Makel

Viele der „Gastarbeiter“ empfanden diese Prozedur – sie mussten sich vor wildfremden Menschen bis auf die Unterwäsche entkleiden und Übungen vorführen – als erniedrigend. Schlimm war zudem der Makel der haften blieb, wenn man nicht genommen wurde. Dies konnte insbesondere für junge Männer aus dörflichen Regionen erhebliche Konsequenzen haben: Sie waren wegen dieses Makels auch auf dem Heiratsmarkt nur noch zweite Wahl, weil die Ablehnung auf gesundheitliche Probleme schließen ließ.

Dieses auf den ersten Blick unscheinbare Gerät, in das so viele Menschen pusteten, konnte darüber entscheiden, ob jemand seine Heimat verließ und nach Deutschland kam oder nicht: Es ist also ein wichtiger Teil der Migrationsgeschichte.

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