In euphorischer Stimmung: Zur Entwicklung des Konzepts

Wenn man ein neues Projekt anfängt, stehen alle Türen offen. Es gibt keine Grenzen und man erlebt eine euphorische Phase. Beim Brainstorming fühlten wir uns wie Kinder in einem Süßigkeitenladen: Es gab so viele Möglichkeiten, dass wir bald eine massive Ideen-Überdosis hatten. Meine erste Aufgabe bei DOMiD war es deshalb, eine Typologie der unterschiedlichen No-Gos und Go-for-its in Migrationsausstellungen zu erstellen. Damit fingen wir dann an, unsere ersten Vorstellungen für das Virtuelle Migrationsmuseum zu definieren.

Wir entwickelten zunächst unsere eigene Vision des Wortes „Migration“. Wir waren überzeugt, dass Migration nicht nur Arbeitsmigration, sondern auch Pendeln, Zwangsmigration, Asyl – in einem Wort „Mobilität“ bedeutete. Unser Museum sollte alle Arten der Migration darstellen.

Aber wie?

Es gibt so viele Risiken und Fallen! Wir wollen Migranten nicht stigmatisieren, aber auch nicht folklorisieren. Es sollte weder ein Opfermonument noch ein Ethnologie-Museum werden. Schnell wurde klar, dass individuelle Darstellungen von unterschiedlichen Communities keine Option sind. Nein, das Museum muss thematisch arbeiten. Nicht nur das, es soll zu Debatten anregen und unterschiedliche Meinungen darstellen – die positiven wie die negativen, die von Migranten und die vom „Aufnahmeland“ (auch wenn uns das Wort nicht so ganz überzeugt.). Last but not least soll es nicht nur die Folgen der Migration in Deutschland darstellen, sondern auch seine vielen Ursachen und Auswirkungen in den Herkunftsländern. Deutschland ist in dieser Geschichte nicht allein: Es handelt sich letztendlich um eine transnationale Geschichte.

Eine weitere Herausforderung war es, die Chronologie unserer Erzählung zu definieren. Wir wissen ja, dass Migration nicht mit der Ankunft der italienischen Gastarbeiter 1955 startete, sondern eigentlich immer präsent gewesen war. Wann müssten wir also anfangen? Wir planten nur zwei Jahre für das Projekt ein und die Vorstellung, eine solche Zeitspanne so schnell zu erforschen, verursachte uns Gänsehaut. Wir entschieden uns daher, in einer ersten Phase nur die Migrationen ab 1945 zu bearbeiten – Grund dafür war unsere bestehende Sammlung von über 70.000 Objekten, die diese Zeitspanne gut abdeckt. Aber wir mussten ein Konzept entwickeln, das Erweiterungen ermöglichen würde…

Das Ergebnis eines Brainstormings

Das Ergebnis eines Brainstormings

Es fehlte nur das Format: Es dauerte nicht lange, bis wir uns vom klassischen Format verabschiedeten. Das Museum würde kein virtuelles Gebäude werden. Warum sollten wir die Grenzen eines Museums in der virtuellen Welt reproduzieren? Nach einem intensiven Brainstorming und gefühlten sechs Litern Kaffee entschieden wir uns, eine typische Straße als Bühne zu benutzen. Und da wir schon dabei waren… warum sollten wir ein rigides chronologisches Narrativ benutzen? Diese Grenze gibt es im Netz auch nicht: Man kann sich in alle Richtungen bewegen, in Raum und Zeit. Und so sollte auch unser Museum werden – eine Art 4D-Welt (Physiker, nicht schreien, es ist eine Metapher – es gibt gute Gründe, warum ich Geisteswissenschaftlerin bin!).

Danach ging es schnell: Wir wählten symbolische Gebäude, um besondere Themen zu illustrieren und entschieden uns, drei Zeitepochen festzulegen, zwischen denen der Besucher sich bewegen würde…

Die Idee stand, aber wir wussten schon, dass wir mehrere Sachen noch angehen mussten: den Copyright-Drachen, die Javascript-Hexe und das Funding-Monster… mehr dazu in den nächsten Folgen…

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