Wieso ein Migrationsmuseum und warum virtuell? – Wie kam es zu der Idee?

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Zugegeben: Ein Migrationsmuseum zu bauen und noch dazu eins, das ausschließlich im Internet zu besuchen ist, liegt vielleicht nicht direkt auf der Hand. Wer allerdings die Geschichte von DOMiD kennt, für den ist das Ganze leicht zu verstehen.

Unser Verein wurde 1990 von vier Migranten gegründet. Sie sorgten sich darum, dass ihre Geschichte und der positive Beitrag der Einwanderer in der deutschen Gesellschaft nicht wahrgenommen wurden. Davon, Migranten gar als Teil der deutschen Geschichte zu betrachten, war die Gesellschaft noch Lichtjahre entfernt. Vielmehr herrschte in diesen Jahren eine fremdenfeindliche Stimmung vor. Die Namen Solingen, Mölln, Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen erinnern an dieses dunkle Kapitel. Vor diesem Hintergrund begannen die Vier, Objekte und Zeugnisse der Einwanderung in die BRD zu sammeln. Ihr Ziel war es von Beginn an, diese Zeugnisse eines Tages auch in einer Ausstellung zu präsentieren. Damit war die Idee eines Museums für Migration nach Deutschland geboren.

Von einer Garage zu einer einzigartigen Sammlung…

Was in einer Garage begann, professionalisierte sich. Mittlerweile verfügt unser Migrationsarchiv über 70.000 Objekte, Fotos, Dokumente, Videos, Tondokumente und Bücher – eine bundesweit einzigartige Sammlung zur Migrationsgeschichte seit 1955. Das Besondere ist, dass diese Sammlung nicht die öffentliche, die staatliche Sicht zeigt, sondern vielmehr aus der Perspektive der Migranten erzählt.

Fremde Heimat 1998

Fremde Heimat 1998

Projekt Migration 2005

Projekt Migration 2005

Geteilte Heimat 2011

Geteilte Heimat 2011

Eins ist mittlerweile klar: Wir leben in einer Migrationsgesellschaft. DOMiD hat zwar zahlreiche Ausstellungen zu dem Thema gemacht – hierzu zählen Meilensteine wie Fremde Heimat (1998), Projekt Migration (2005) und Geteilte Heimat (2011) –, aber immer noch existiert kein eigenständiges Museum, das diese Veränderungsprozesse demonstriert. Der Hauptgrund dafür sind nicht mehr in erster Linie gesellschaftliche Widerstände, sondern das liebe Geld. Die Kosten für so ein Museum wären sehr hoch. Der Entschluss, ein virtuelles Migrationsmuseum zu bauen ist, die logische Konsequenz. Das ist erstens günstiger und zweitens verlagert sich die Aktivität der Menschen zunehmend ins Netz.

Virtuelles Museum bietet Vorteile

Ein virtuelles Migrationsmuseum bietet aber noch mehr Vorteile. Zunächst vereinfacht sich die Darstellung von komplexen Wandlungsprozessen, denn ein virtuelles Migrationsmuseum ist losgelöst von Raum und Zeit. Die Besucher können den Raum verlassen und zu anderen virtuellen Orten oder Zeiten gelangen. Zudem lässt sich das Museum von jedem Ort der Welt betreten. Das baut Hemmschwellen ab. Anders als in klassischen Dauerausstellungen lassen sich zudem neue wissenschaftliche Erkenntnisse und tagesaktuelle Ereignisse schnell integrieren.

Damit war die Idee des Migrationsmuseums mit den Vorteilen des virtuellen Raums verbunden. Auf das Ergebnis sind wir selbst gespannt.

2 comments on “Wieso ein Migrationsmuseum und warum virtuell? – Wie kam es zu der Idee?

  1. Marlene sagt:

    Das klingt nach einem spannenden Projekt – vielleicht wird das ja Schule machen? Ich wünsche euch viel Erfolg!
    Viele Grüße,
    Marlene

    • Sandra Vacca sagt:

      Hallo Marlene,
      vielen Dank für die netten Worte: wir freuen uns sehr, dass es Dir gefällt und hoffen auch, dass es Schule machen wird!
      Viele Grüße aus Köln
      Sandra

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